Vardenafil wird hauptsächlich in der Leber durch das Cytochrom P450 (CYP) 3A4 mit geringer Beteiligung der CYP3A5- und CYP2C-Isoenzyme metabolisiert. Inhibitoren dieser Isoenzyme können daher die Vardenafil-Clearance vermindern.
Die gleichzeitige Anwendung von Ritonavir (2 mal täglich 600 mg) und Vardenafil 5 mg Filmtabletten führte zu einem 13 fachen Anstieg der Vardenafil-Cmax und einer 49 fachen Steigerung der Vardenafil-AUC0-24. Diese Wechselwirkung ist eine Folge der Blockierung der hepatischen Metabolisierung von Vardenafil durch Ritonavir, einen hochpotenten CYP3A4-Inhibitor, der gleichzeitig CYP2C9 hemmt. Ritonavir verlängert die Halbwertszeit von Vardenafil signifikant auf 25.7 Stunden (vgl. „Kontraindikationen“).
Die gleichzeitige Gabe von Indinavir(3-mal täglich 800 mg), eines starken CYP3A4-Inhibitors mit Vardenafil (10 mg Filmtablette) bewirkte eine 16-fache Steigerung der Vardenafil-AUC und eine 7-fache Steigerung der Vardenafil-Cmax. Nach 24 Stunden waren die Vardenafil-Plasmaspiegel wieder auf ungefähr 4% der maximalen Vardenafil-Plasmaspiegel (Cmax) gesunken (vgl. „Kontraindikationen“).
Die gleichzeitige Gabe von Ketoconazol (200 mg) mit Vardenafil (5 mg Filmtablette) bewirkte eine 10-fache Steigerung der Vardenafil-AUC und eine 4-fache Steigerung der Vardenafil-Cmax (vgl. „Kontraindikationen“).
Bei gleichzeitiger Gabe von Erythromycin (3-mal täglich 500 mg) und Vardenafil (5 mg Filmtablette) wurde die systemische Vardenafil-AUC 4-fach und die Vardenafil-Cmax 3-fach gesteigert (vgl. „Warnhinweise / Vorsichtsmassnahmen“).
Obwohl spezifische Interaktionsstudien mit anderen CYP3A4-Inhibitoren nicht durchgeführt wurden, ist zu erwarten, dass eine solche Co-Medikation zu einem vergleichbaren Anstieg der Vardenafil-Plasmaspiegel führt wie Ketoconazol. Dies gilt beispielsweise für Itraconazol sowie für eine hochdosierte Therapie mit Clarithromycin.
Grapefruitsaft kann als schwacher Hemmer des CYP3A4-Stoffwechsels in der Darmwand eine Steigerung des Vardenafil-Plasmaspiegels bewirken (vgl. „Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen“).
Cimetidin (2-mal täglich 400 mg), ein unspezifischer Cytochrom-P450-Hemmer zeigte bei gleichzeitiger Gabe von Vardenafil (20 mg Filmtablette) bei gesunden Probanden keinen Effekt auf die Vardenafil-AUC und -Cmax.
Bei gleichzeitiger Verabreichung von CYP3A4-Induktoren (z.B. Johanniskraut) ist eine Abnahme der Vardenafil Plasmakonzentrationen zu erwarten.
Die Pharmakokinetik von Vardenafil (20 mg Filmtablette) wurde durch die gleichzeitige Gabe von Alkohol (mittlerer maximaler Blut-Alkoholspiegel von 73 mg/dl), Digoxin, Glibenclamid, Ranitidin, Warfarin oder durch eine Einmalgabe von Antacida (Magnesiumhydroxid / Aluminiumhydroxid) nicht beeinflusst.
Obwohl spezifische Interaktionsstudien nicht für alle Arzneimittel durchgeführt wurden, ergab die Analyse pharmakokinetischer Daten keine Veränderungen der pharmakokinetischen Parameter von Vardenafil bei gleichzeitiger Gabe von Acetylsalicylsäure, ACE-Hemmern, Betablockern, schwachen CYP3A4-Inhibitoren, Diuretika und Arzneimittel zur Behandlung von Diabetes (Sulfonylharnstoff und Metformin).
Vardenafil ist ein schwacher Hemmer von CYP3A4 (geschätzter Ki-Wert = 14.9 µM). Da im empfohlenen Dosierungsbereich die maximalen Plasmaspiegel ungefähr bei 0.035 µM liegen, scheint ein Einfluss auf die Clearance von Substraten der CYP3A4 Isoenzyme unwahrscheinlich zu sein.
Bei gleichzeitiger Gabe von Vardenafil (20 mg) mit Warfarin (25 mg), das durch CYP2C9 verstoffwechselt wird, oder Digoxin (0.375 mg) fanden sich keine signifikanten Wechselwirkungen.
Für Phenprocoumon oder Acenocoumarol liegen keine Daten über die gemeinsame Verwendung mit Vardenafil vor. Die Antikoagulation muss deshalb bei der Komedikation mit Vardenafil engmaschig überwacht werden.
Die relative Bioverfügbarkeit von Glibenclamid (3.5 mg) wurde durch die gleichzeitige Gabe von Vardenafil (20 mg) nicht beeinflusst.
Es liegen keine Daten zu Wechselwirkungen von Vardenafil mit nicht-spezifischen Phosphodiesterasehemmern wie Theophyllin oder Dipyridamol vor.
Nitrate
Vardenafil (20 mg Filmtabletten) verstärkte bei gesunden Probanden die blutdrucksenkende Wirkung von sublingual gegebenem Nitroglycerin (0.4 mg), wenn dieses 1 Stunde und 4 Stunden nach Einnahme von Vardenafil angewandt wurde. Wenn Nitroglycerin 24 Stunden nach einer Einmaldosis von 20 mg Vardenafil verabreicht wurde, war kein Effekt auf den Blutdruck zu beobachten. Keine Verstärkung des blutdrucksenkenden Effektes von sublingual angewendetem Nitroglycerin (0.4 mg) wurde bei Einnahme von Vardenafil (10 mg als Filmtablette) in unterschiedlichen Abständen (1-24 Stunden) vor der Gabe von Nitroglycerin beobachtet. Es liegen keine ausreichenden Informationen über eine mögliche Verstärkung des blutdrucksenkenden Effektes von Nitraten und Vardenafil bei Patienten vor, daher ist die gleichzeitige Gabe kontraindiziert (vgl. „Kontraindikationen“ und „Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen“).
Nicorandil ist eine Kombination aus Kaliumkanal-Öffner und Nitrat. Aufgrund der Nitrat-Komponente kann es zu schwerwiegenden Interaktionen mit Vardenafil kommen.
Antihypertonika
In einer Studie erhielten Hypertoniker Vardenafil (20 mg) zusammen mit verzögert freisetzendem Nifedipin (30 mg oder 60 mg). Es zeigte sich eine zusätzliche Senkung des Blutdruckes in Rückenlage um systolisch 6 mmHg und diastolisch 5 mmHg, begleitet von einem Herzfrequenzanstieg um 4 Schläge/min.
Alpha-Rezeptorenblocker können bereits als Monotherapie zu einer ausgeprägten Blutdrucksenkung (einschliesslich orthostatischer Hypotonie und Synkopen) führen, welche durch Vardenafil noch verstärkt werden können (vgl. "Dosierung / Anwendung", "Eigenschaften / Wirkungen").
Andere Arzneimittel
Die durch Acetylsalicylsäure (2-mal täglich 81 mg) bewirkte Verlängerung der Blutungszeit wurde durch Vardenafil (10 mg Filmtablette) nicht gesteigert.
Bei gleichzeitiger Einnahme von Vardenafil (20 mg) und Alkohol (mittlerer maximaler Blut-Alkoholspiegel von 73 mg/dl) wurden die Wirkung von Alkohol auf Blutdruck und Herzfrequenz nicht verstärkt.